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Formentera>>>>




















Heute ...
... geht es um ein Buch, das bereits 2007 auf der Frankfurter Buchmesse im Rahmen der Katalanischen Kultur vorgestellt wurde. Einheimische und ausländische Autoren - Journalisten, Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler - zeichnen ein facettenreiches Gesamtbild von Ibiza und Formentera als einem Paradies im Wandel zwischen Tradition und Moderne.
Goodbye Tanit? Ibiza - Zwischen Traum und Trauma ist im Palmyra-Verlag erschienen; die gebundene Ausgabe hat 430 Seiten und kostet 26 Euro; das Buch hat neunundzwanzig Kapitel - meinen Beitrag über Formentera werde ich hier in loser Folge abdrucken. Den Anfang finden Sie im Archiv >
Brief von nebenan
Formentera - ganz groß in
Kleinigkeiten
Teil 15: Schöne Ecken - abseits, außerhalb der Saison
Früher hat er in den Salinen gearbeitet, ein Knochenjob. Aber andere Arbeit gab es damals nicht. In nahezu jeder Familie musste ein Mann zur See fahren, weil der karge Inselboden nicht alle Bewohner ernähren konnte.
Während die Männer von Ibiza meist afrikanische Häfen ansteuerten, fuhren die Formenterenser bis Kuba und Paraguay. Elf Monate waren die Männer auf See, auf fremden Schiffen, nur über Weihnachten kamen sie für ein paar Tage nach Hause. "Das Leben war hart, aber heute gibt es auch Probleme."
Andere eben. Soll ich jetzt über den Müll reden, über die Unruhe während der Sommermonate, über Bauernhäuser, die bis zur Hässlichkeit modernisiert wurden? Nein, es gibt sie noch, die schönen Ecken, abseits der Asphaltstraße, außerhalb der Saison.
Auf der Hochebene La Mola steht nur eine einzige Touristenunterkunft, die Südspitze des Cap de Barbaria ist unbewohnt, und Formenteras Strände gehören nach wie vor zu den schönsten der Balearen, vielleicht des Mittelmeers. Natürlich hat sich das längst bis zur Schwesterinsel herumgesprochen. Verständlich also, dass in den Sommermonaten am nördlichen Illetes-Strand und in der Bucht der vorgelagerten Insel Espalmador die Jachten und Ausflugsschiffe aus Ibiza ankern.
Nicht so am sechs Kilometer langen Südstrand, der Platja de Migjorn, weil der Weg dorthin für die Boote weiter ist.
"Manchmal genügt es sogar, wenn man sich antizyklisch verhält", wie ein Formentera-Kenner rät, "morgens bis zehn, elf Uhr findest du in der schönen Bucht Cala Saona selbst in der Hochsaison noch ein ruhiges Plätzchen."
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Teil 16: Orchideen und Gartenschläfer mit Maske
Stimmt, und wem das nicht reicht, der muss eben im Winter kommen. Dann ist Formentera für Monate wieder das, was die Insel früher übers ganze Jahr hinweg war: ein Fluchtpunkt der Einsamkeitssucher. Im Winter gehört die Insel wieder den Einheimischen und den Eidechsen.
Da fällt mir ein: Bis jetzt habe ich noch nichts über die Tierwelt geschrieben. Nicht so schlimm, denn sie unterscheidet sich nur wenig von der auf der Nachbarinsel. Einzigartig, weil auf Ibiza bereits ausgestorben, ist der possierliche Gartenschläfer Eliomys quercinus ophiusae. Diese Siebenschläfer-Unterart, die größte der Welt, trägt eine schwarze Augenmaske und hat eine auffällig weiße Schwanzquaste.
Hübsch und größer als ihre Artgenossen auf Ibiza sind auch die Eidechsen mit ihren türkisfarbenen Flanken; die Podarcis pityusensis formenterae kommt einzig auf der Welt nur hier vor. Und die Pflanzen? Es gibt, was nur wenige vermuten, eine ganze Reihe von Orchideen, und in den Dünen und an den Salzseen wachsen einige endemischen Pflanzen. Die Namen?
Ach, nicht so wichtig an dieser Stelle. Erwähnen aber möchte ich die zahlreichen Rosmarinsträucher und die Thymianbüsche, weil sie, zusammen mit den Pinien und dem Geruch nach Salzwasser, die typische Formentera-Duftmischung ergeben.
Von den Sehenswürdigkeiten der Insel habe ich auch noch nicht gesprochen.
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Nun, es gibt keine - zum Glück, möchte man sagen. Die drei Kirchen der Insel sind bei weitem nicht so eindrucksvoll wie die ibizenkischen Wehrkirchen; die Fincas, die im Gegensatz zu den casas auf Ibiza oft Schrägdächer haben, sind längst nicht so alt.
Die drei Dörfer mit ihren planlos hingestellten Neubauten lassen Architekten aufstöhnen und Hobbyfotografen, auf der Suche nach einem markanten Motiv, über eine Insel hasten, die eigentlich zur Langsamkeit verführen sollte.
wird fortgesetzt
Damals Teil 3
> Damals Teil 1 "Goldfinger" und Teil 2 "James con hielo" finden Sie hier
Es war einmal auf einer kleinen Insel im westlichen Mittelmeer ...
Und immer wieder kamen sie, bezaubert von dem einzigartigen Licht, inspiriert durch die urwüchsige Landschaft, verwöhnt durch ein kristallklares Meer, angezogen durch moderate Preise für Wein und Wohnungen: Maler, Schriftsteller und Lebenskünstler, Schelme, Träumer und schlichte Sonnenhungrige. Manche kamen für einen Urlaub - und blieben dann für Jahre.
Schon in den fünfziger Jahren kam das Künsterpaar Sioma Baram und Bella Brisel. Beide starben Anfang der achtziger Jahre. Ein Blick zurück ...
Er war der erste Ausländer, der sich auf Formentera niederließ. Seine Ankunft ist schon fast Legende. Als Sioma Baram Anfang der fünfziger Jahre mit seiner Frau, der Malerin Bella Brisel, zum ersten Mal nach Formentera kam, konnte er nicht bleiben. Auf der Insel gab es nur so viele Betten wie Menschen.
Dennoch wurde Formentera seine richtige Heimat - und auch seine letzte. Zweieinhalb Jahrzehnte hat er hier gelebt und gemalt. Im Garten seiner Finca pflanzte er über tausend Bäume. Sein Wunsch war, unter ebendiesen Bäumen - für ihn der sichtbare Ausdruck seiner Verwurzelung mit der geliebten Insel - beerdigt zu werden.
Baram, 1919 in Bessarabien geboren, begann in Kischinew mit dem Kunststudium, das er später in Tel Aviv und an der "École du Louvre" in Paris fortsetzte. Zu den Ausstellungsorten zählten unter anderen Lausanne, London, Tokio, New York und vor allem Tel Aviv.
Baram war fasziniert von Bäumen, die er in seinen Ölbildern, vor allem aber in seinen Radierungen verewigte, die er Blatt für Blatt selbst druckte.
Und von den Trockenmauern der Insel. "Solange es diese Mauern gibt", sagte er, "wird die Insel trotz aller Veränderungen ihren Charme behalten."
Beerdigt wurde er nicht seinem Willen gemäß unter den Bäumen, die er selbst gepflanzt hatte, sondern auf dem Ölberg bei Jerusalem. Die Finca, in der Formenteras erstes Künstlerpaar viele Jahre gearbeitet hat, steht seither leer. Und die Trockenmauern, die das Grundstück umranden, sind zum Teil eingestürzt.
Gestorben:
Der erste Formentera-Ausländer
Sioma Baram ist tot. Er starb an den Folgen eines Schlaganfalls, den er auf der Terrasse der Fonda Pepe erlitten hatte.
Baram hat bis zuletzt unermüdlich gearbeitet, oft an mehreren Originalen und Grafiken gleichzeitig. Seine Bilder sind uns geblieben. Den vielseitigen, stets hilfsbereiten Künstler, den geistreichen Gesprächspartner haben wir verloren. Seine Freunde werden Baram lange, lange Zeit vermissen und nie vergessen.
(aus: der Insel-Zeitung "IZ", August 1980)
... seine Frau Bella Brisel, hier eines ihrer Lieblingsmotive, starb ein Jahr später