Niklaus Schmid


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April Teil 2

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Formentera
Eine Insel auf dem Weg zur Legende


Auszüge aus "Formentera - Der etwas andere Reiseführer"


Wie war das noch mal mit dem Wikingerprinz Sigurd, den maurischen Piraten und Bob Dylans Schafwollpullover? Diesen Fragen gehe ich in meinem Buch "Formentera - Der etwas andere Reiseführer" nach. Mal berichte ich aus der Vergangenheit, beispielsweise von den Phöniziern, die auf der Insel die ersten Salzbecken bauten, oder von den Arabern, die ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem anlegten. Dann wieder springe ich zurück in die Gegenwart, erwähne neuzeitliche Legenden, schreibe über die Tier- und Pflanzenwelt oder erzähle Geschichten von Künstlern und Charakterkäuzen. Auszüge, wie gesagt, und zwar im monatlichen Wechsel.

April Teil 2


Von einem lebenswichtigen Stück Mist ...

Auf den Feldwegen sieht man die ersten Radfahrer. Doch die Strände sind leer. Ich laufe auf meinen eigenen Fußspuren zurück, setze mich in die Dünen. Noch kann man Spuren lesen. Die größten Abdrücke stammen von den Möwen, die kleinsten von den Mistkäfern. Einer dieser Pillendreher kommt heran, schiebt, rückwärtslaufend, eine Kugel vor sich her, die dreimal so groß ist wie er selbst.

Er versucht sie bergauf zu schieben, scheint es auch zu schaffen. Ich drücke ihm die Daumen. Doch dann, ein Windhauch hatte genügt, rollt die Kugel zurück, der Käfer mit ihr, er krallt sich an das Stück Mist, als ginge es um sein Leben.
Tatsächlich braucht er die Kugel zur Aufzucht seiner Kinder. Sorgen, nichts als Sorgen!

… den unermüdlichen Pillendrehern

Ein paar Sekunden pumpt er Sauerstoff unter seine schwarzen, fein ziselierten Deckflügel, dann stemmt er sich wieder in die Arbeit. Im alten Ägypten war der Skarabäus als Sinnbild des Sonnengottes heilig; ohne ihn wäre das fruchtbare Niltal mit seinen Menschen, Ochsen und Kamelen im Mist versunken. Ohne ihn stünden in der Serengeti Büffel und Antilopen bis zum Bauch im eigenen Dung.

Auch auf Formentera wäre die Arbeit zu schaffen, gäbe es hier nur die zehntausend Formenterenser. Aber in den Sommermonaten kommen ja noch viele Besucher hinzu, übers Jahr gerechnet hundertfünfzigtausend. Eine Menge Mist fällt da an – beim heiligen Skarabäus! –, zu viel selbst für die Heerscharen der unermüdlichen Pillendreher.

... und schwer beladenen Bienen


Auf den Brachfeldern blühen jetzt die Katzenpfötchen. Aus den gelben Blumen, die einen starken Duft verströmen, flicht Bärbel wunderbare Kränze. „Du musst die Büsche pflücken, bevor sie in voller Blüte stehen“, sagt sie. „Dann halten sie sich ein ganzes Jahr lang.“ Deshalb also der Name Immortellen oder Immerschön. Manche nennen sie auch Curry-Blumen. Wenn die Katzen durch diese Kräuter streichen, könnte ich dauernd meine Nase in ihr Fell bohren.

Lila oder gelblich weiß blühen jetzt die Mittagsblumen. In Deutschland eine Rarität, bilden sie hier auf sandigem Boden weite Teppiche, die gegen Abend besonders intensiv leuchten. Immortellen, Ginster, samtschwarze Orchideen der Gattung Ophry, dazu all die Feldblumen – die Bienen kommen regelrecht in Stress.

Ihre Hinterbeine sind so dick mit Blütenstaub und Nektar verklebt, dass sie sich kaum in der Luft halten können. Es summt und brummt, die ganze Natur geht Volldampf voraus. Hier schneller als anderswo. Denn Tiere und Pflanzen wissen, schon in einem Monat oder in spätestens sechs Wochen hat die Sonne alles verbrannt.

Fortsetzung folgt......

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Aktualisiert am 15. April 2018 | kontakt@niklaus-schmid.de

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