Niklaus Schmid


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Juli

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Formentera
Eine Insel auf dem Weg zur Legende


Auszüge aus "Formentera - Der etwas andere Reiseführer"


Wie war das noch mal mit dem Wikingerprinz Sigurd, den maurischen Piraten und Bob Dylans Schafwollpullover? Diesen Fragen gehe ich in meinem Buch "Formentera - Der etwas andere Reiseführer" nach. Mal berichte ich aus der Vergangenheit, beispielsweise von den Phöniziern, die auf der Insel die ersten Salzbecken bauten, oder von den Arabern, die ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem anlegten. Dann wieder springe ich zurück in die Gegenwart, erwähne neuzeitliche Legenden, schreibe über die Tier- und Pflanzenwelt oder erzähle Geschichten von Künstlern und Charakterkäuzen. Auszüge, wie gesagt, und zwar im monatlichen Wechsel.

Juli


Von Amigos sehr persönlicher Behandlungsmethode ...


Schreiend kommt meine Frau um die Ecke gerannt. Hunderte von Bienen sind hinter ihr her. Sie rennt ins Schlafzimmer, ich schließe die Tür. Doch eine Biene hat sich in ihrem Haar verfangen, und die sticht zu. Was tun? Malve, Petersilie, Salbei und Thymian sollen helfen, sagt der Naturarzt Maurice Messegué. Wir entscheiden uns dann für Amigos Rezept, für angefeuchteten Puderzucker, der nach einer Weile abgeleckt wird.

Nach der Behandlung entdecken wir den Bienenschwarm. Wie ein Fußball hängt er in der Astgabel eines Olivenbaums. Mitten drin die Königin, die mit allen Nestgenossen verwandt ist. Bis zu 100.000 können es sein. Wird das Volk zu groß, teilt es sich und füttert mit dem speziellen Futtersaft Gelée Royale aus einer Larve eine neue Königin heran.

… einem summenden Fußball ...


Unser Nachbar Jaime Carlos kommt und stellt einen Kasten unter den Baum mit dem aufgeregt summenden Fußball. Aus sicherer Entfernung können wir beobachten, wie die Bienen nach und nach in dem schmalen Schlitz der Kiste verschwinden. Es dauert einige Stunden. Dann trägt Jaime Carlos den Kasten zu dem Brachfeld hinter seiner Finca, auf dem jetzt der Thymian, von den Einheimischen Frígola genannt, in voller Blüte steht.

Thymianhonig ist würzig, fast pfefferig. Thymianhonig, frisch aus der Wabe gelutscht, hat mit Honig aus dem Laden so viel zu tun wie eine sonnengereifte Walderdbeere mit einer Treibhausfrucht.

… und dunkelrosigen Hühnerschenkeln


Ob Honig oder Hühner, Wein oder Früchte, von ihren Erzeugnissen geben die Bauern nur ungern ab. Will man ihnen etwas abkaufen, muss man schon gut bekannt sein mit ihnen. Zum einen sind die Formenterenser nicht sonderlich geschäftstüchtig, zum anderen wissen sie aber genau, wie viel Mühe und auch Geld in einem Glas Honig, in einem Kilo Hühnerfleisch stecken.

Ein Hähnchen aus der Zuchtbatterie ist in sechs Wochen schlachtreif, ein frei laufendes Formentera-Huhn braucht dazu ein halbes Jahr. In der Zeit hat es an Körnern mehr gefressen, als umgerechnet drei Hähnchen beim Metzger kosten. Dennoch lohnt es sich. Das Fleisch solcher Hühner ist an den Schenkeln nicht weiß, sondern von dunkelrosiger Färbung und sehr schmackhaft.

Und lohnend ist auch das Gespräch mit den Bauern. Meine Frau hat auf diesem Weg erfahren, dass die weißen Hühner zwar mehr Fleisch liefern, die bunten jedoch mehr Eier legen.

Fortsetzung folgt .A

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Aktualisiert am 1. Juli 2018 | kontakt@niklaus-schmid.de

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